Substanzielles aus der Sicht eines Piraten

Zitate ohne Substanz – heute: Alard du Bois-Reymond

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Der neue Direktor des Bundesamts für Migration, Alard du Bois-Reymond, hat ein «Problem mit den Nigerianern». In der «NZZ am Sonntag» erklärte er:

99,5 Prozent von ihnen [stellen ein Asylgesuch] ohne die geringste Chance, in der Schweiz bleiben zu können. Sie kommen nicht als Flüchtlinge hierher, sondern um illegale Geschäfte zu machen. […] Ein grosser Teil von ihnen driftet in die Kleinkriminalität ab oder betätigt sich im Drogenhandel. Das ist eine traurige Tatsache.

Ein Sprayer wollte an den Tod eines Ausschaffungshäftlings vor einem Monat erinnern, wurde dabei aber wohl gestört.

Ein Sprayer wurde wohl dabei gestört, als er an den Tod eines Ausschaffungshäftlings erinnern wollte.

Der BfM-Chef unterstellt also allen chancenlosen Asylsuchenden aus Nigeria, illegale Geschäfte machen zu wollen. Dies ausgerechnet in einer Zeit, in der die Beziehungen zu Nigeria durch den Tod eines nigerianischen Ausschaffungshäftlings in Kloten belastet sind. Nun hat Nigeria reagiert und das Rücknahmeabkommen ausser Kraft gesetzt. Es scheint, als müsse Nigeria die Schweiz zur Raison bringen. Das mit 140 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Afrikas hat an sich kein Interesse an den Ausschaffungsflügen. Wieso sollte Nigeria kooperieren, wenn die Schweiz nicht einmal die Sicherheit seiner Landsleute garantieren kann? Wenn bürgerliche Politiker von SVP-Fehr über FDP-Müller bis CVP-Darbellay «unverzügliche Wiederaufnahme der Rückschaffungen» fordern, sind sie auf dem falschen Dampfer. Ohne den Kooperationswillen von Nigeria geht gar nichts. Ausserdem: Wenn ein Schweizer in Libyen festgehalten wird, reisst man eine diplomatische Krise vom Zaun – wenn hingegen ein Nigerianer in Schweizer Haft stirbt, zuckt man mit den Schultern und möchte so rasch wie möglich zum Normalzustand zurückkehren.

Die Äusserung du Bois-Reymonds ist aber nicht nur diplomatisch unklug, sondern auch für die Nigerianer in der Schweiz stigmatisierend, wenn nicht gar rassistisch. Diese protestieren zurecht. Nigerianer kommen nicht in die Schweiz, um kriminell zu werden – dies könnten sie auch in Nigeria, wenn das ihre Motivation wäre. Die Motivation ist natürlich, aus der Armut zu entfliehen und den Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen. Kann man das irgendjemandem übel nehmen? Wenn sie dabei kriminell werden, liegt das daran, dass sie sonst keine Chance haben, und dass sie nichts zu verlieren haben. Ausser dem Leben.

Die Aussagen du Bois-Reymonds sind noch zu einem dritten Grund falsch. Der BfM-Chef erweckt damit den Eindruck, das Drogenproblem sei ein importiertes Problem, das man mit Ausländer- und Aussenpolitik in den Griff kriegen könnte. Solange es aber Schweizer Kokain-Konsumenten gibt, wird es immer jemanden geben, der die Drogen auch anbietet. Und solange es Kokain-Prohibition gibt, werden Leute, die nichts zu verlieren haben, mit Kokain dealen. Will man das Problem in den Griff kriegen und die Sisyphus-Arbeit der Polizei beenden, muss man Schritte in die Legalisierung unternehmen sowie versuchen, die Prävention zu verbessern. Alles andere ist aussichtslose Symptom-Bekämpfung.

Fazit: Wir haben kein «Nigerianerproblem», sondern ein Chefbeamtenproblem.

Übrigens bin ich beim googeln noch auf einen interessanten Artikel über die politische Situation in Nigeria gestossen: Experten loben Nigeria – Deutsche Welle.

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Zitate ohne Substanz – heute: Alard du Bois-Reymond von David Herzog, sofern nicht ausdrücklich anders festgestellt, ist lizenziert unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz.

Autor: David Herzog

Pirat, Humanist, Träumer, Designer, Menschenfreund. Auch hier zu Hause.

2 Kommentare

  1. Ich lebe jetzt zwar nicht in der Schweiz, aber man merkt doch immer mehr, dass die Schweizer eigentlich lieber unter sich bleiben würden. Es wird ja auch vom bösen Deutschen gesprochen und vieles mehr. Ich meine jetzt nicht das es unbedingt was schlimmes ist, aber man sollte die Menschen aus anderen Ländern nicht vorverurteilen, so wie du es ja auch schreibst und deswegen sollte sich ein Politiker mit solchen Aussagen auch immer zurück halten. Ich meine, belegen wird er es doch nicht können, oder?

  2. wieso haben gewisse personen oder personenkreise immer mehr muehe damit, zu akzeptieren was realitaet ist? und wenn einer mal klartext spricht wird er entweder verteufelt oder als rassist gebrandmarkt – stigmatisiert.
    du bois war in problemzonen und erfahrenener als jeder schreiberling, der zum x-ten male wiederholt, was seine zunftbrueder bereits unverdaut von sich gegeben haben.
    siehe auch thilo sarrazin und seine neuesten erkentnisse in der neuesten zeitung

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