Schweizer Imam-Ausbildung, aber dalli!

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Die Sunniten sind nach den Katholiken und Reformierten mit fast 5% Bevölkerungsanteil die drittgrösste Religionsgemeinschaft der Schweiz. Daran wird sich so schnell wohl nichts ändern. Imame sind Vorbeter und nehmen eine ähnliche Rolle wie reformierte Pfarrer und katholische Priester ein.

Es ist mir absolut unverständlich, wieso es mit dem Projekt der Imam-Ausbildung in der Schweiz nicht vorwärts geht. Aus Saudi-Arabien eingeflogene Imame sind eine Bedrohung für unser Land und erschweren die Integration der Muslime. Sie laufen den Bestrebungen eines sakulären Euroislam diametral entgegen. Hier ausgebildete Imame könnten eine unbedingt notwendige Vermittlungsrolle einnehmen.

Dass Möchtegern-Bundesrat Ueli Maurer lieber einen radikalen Islam heranzüchtet, versteht sich von alleine: Die Schweiz sei ein christliches Land. Deshalb habe es für Islam-Lehrgänge an staatlichen Universitäten „keinen Platz“. Was seine Idee zur Radikalität des Islams betrifft, so glaubt Maurer nicht, dass ein Studium in der Schweiz daran etwas ändern würde. „Ein gewisser Fanatismus ist einfach Teil dieser Religion.“ (Quelle)

Die Kirchen und die anderen Parteien stehen der Idee wohlwollend gegenüber. Wieso macht denn niemand etwas!? Man diskutiert lieber über den visuellen Auftritt! Himmelherrgottnochmal! Enschallah!

Linktipp: Vernunft Schweiz: Umgang mit dem Islam in der Schweiz

Autor: David Herzog

Pirat, Humanist, Träumer, Designer, überzeugter Zweifler. Mein Zuhause ist auch hier.

5 Kommentare

  1. Weitaus grösser noch ist die – zugegebenermassen heterogene – Gruppe der Konfessionslosen. Die werden allerdings politisch noch viel weniger wahrgenommen. Möglicherweise, weil sie sich weniger laut zu empören pflegen, wenn mal ungehobelte Witze über sie die Runde machen…

    Nur so als Beispiel in Sachen Nichtwahrnehmung: Im neuen zürcherischen Friede-Freude-Eierkuchen-Schulfach «Religion und Kultur» wird die Aufklärung mit keinem Wort erwähnt. Und darüber gibt’s nicht mal eine politische Diskussion.

  2. Aufklärung? Was war das schon wieder für eine geschichtliche Episode? 😉

    Apropos «Religion und Kultur»: Also «Friede-Freude-Eierkuchen-Schulfach» ist eine Unterstellung. Jedes Schulfach kann in Friede-Freude-Eierkuchen-Manier unterrichtet werden. Aber «Religion und Kultur» kann auch ernsthaft unterrichtet werden und dabei eine bisherige Lücke im Stundenplan füllen. Mag sein, dass dabei die Aufklärungslücke nicht gestopft wird, aber immerhin ist es ein Anfang.

    Apropos Konfessionslose: Sie sind auch noch schlechter organisiert als die Muslime. Gründen wir den Dachverband der Konfessionslosen?

    Ähm, und was hat das eigentlich mit der Imam-Ausbildung zu tun?

  3. Also «Friede-Freude-Eierkuchen-Schulfach» ist eine Unterstellung.

    Leider nein, was zählt ist der Lehrplan, nicht die Art, wie die Lehrerschaft das Fach allenfalls noch zum Besseren zurechtbiegen mag. Es gibt künftig statt freiwilligem Bibelunterricht eine obligatorische Auslegeordnung der Hauptreligionen – ohne jeden Hinweis darauf, dass das, was unsere Gesellschaft hauptsächlich ausmacht entweder vorchristlich ist (wie die im Wesentlichen griechisch-römische Staatsordnung) oder Postulate der Aufklärung sind (wie Gleichberechtigung, persönliche Freiheit, Chancengleichheit).

    Das geschieht Geschichtsklitterung aus der naiven Hoffnung heraus, dass, wenn alle Schulkinder etwas über die Religionen der anderen wissen, alle automagisch verständnisvoll und nett zueinander werden und Ringelreihen tanzen.

    Die einzigen, die in diesem Fach nicht vorgesehen sind, sind Kinder aus säkularen Haushalten. Die können sich ja dann was aus der Angebotspalette auswählen. So ungefähr stellt sich das der Bildungsrat wohl vor.

    Eine klitzekleine Lobby haben die Konfessionslosen bereits, die FreidenkerInnen. Aber die schaffen’s nur sehr beschränkt, sich bemerkbar zu machen – was man gerade auch diesem Lehrplan ansieht.

    Mit der Imam-Ausbildung hat die Chose nicht sehr viel zu tun, aber mit der Grenzziehung zwischen Kirche und Staat sehr wohl. Und da wird mir nur sehr beschränkt wohler, wenn wir in der Schweiz eine islamische Fakultät einrichten aber die säkularen Werte dieses Staates nicht wenigstens gleich eifrig vermitteln wie die schönen Fabeln aus vergangenen Zeiten (die unschönen finden ja eh keinen Eingang in die Schulbücher).

  4. Euroislam??
    So sehr die Debatte auch bei Intellektuellen, meinetwegen auch einigen wenigen in Europa lebenden Muslimen geführt werden mag, dies wird nicht der Weg zur Integration sein können. Denn es gibt keine je-ka-mi-Interpretation von Religionen, schon gar nicht des Quran, nach westlichem Gutdünken. Und weil das so ist, wird es auch nicht „am Westen“ liegen Religionen zu definieren, die uns genehm sind und jene, die uns nicht in den Kram passen.
    Die Ausbildung von Imamen: gut gemeint, aber am Ziel vorbei. Oder würden „wir Westler“ diese Form von Kultur-Kolonialismus schätzen??

  5. 90 % der Muslime in der Schweiz stammen aus Bosnien, Albanien, dem Kosovo und der Türkei. Ihnen werden Imame aus Saudi Arabien vorgesetzt. Das ist Kulturkolonialismus! Ich meine nicht, dass hiesige Christen die Imamausbildung aufziehen sollten, sondern hiesige Muslime, die eine ganz andere Glaubensauffassung und Weltanschauung und ein anderes Gesellschaftsbild haben als Muslime aus Saudi-Arabien. Euroislam meint ein sakulärer Islam, wie er in Bosnien oder der Türkei lange Tradition hat.

    @Andreas: Genau darum, weil die Trennung von Staat und Religion auch von den Muslimen akzeptiert werden muss, muss der Arabisierung der hiesigen Muslime ein Riegel vorgeschoben werden. Ansonsten wird es bald nicht mehr so sein, dass 99 % der Muslimkinder einspruchlos den gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht besuchen.

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