Substanzielles aus der Sicht eines Piraten

Pornografie und die Hilflosigkeit des Parlaments

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Pornofilme werden auf Plattformen wie YouPorn frei und gratis zugänglich gemacht. Jugendliche schicken sich die Filmchen von Handy zu Handy zu. Jugendliche, die heutzutage ohne Pornos aufwachsen, gibt es praktisch nicht mehr.

Dieser rasche Wandel besorgt die Leute. «Pornografie im Internet und anderen neuen Medien» ist die Sorge Nr. 1 im Sorgenbarometer 2007 des Konsumentenforums. Pornografie wird mit den von den Medien gehypten Missbrauchsfällen (die nur ein ganz kleiner Anteil der Missbrauchsfälle zwischen Jugendlichen und Kindern darstellen – die anscheinend niemanden interessieren) in Verbindung gebracht. Obwohl ein Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Gewalt alles andere als wissenschaftlich erhärtet ist, ist es klar, dass die Politiker da auf den Zug aufspringen.

Die Krux ist nur: Die Politik ist machtlos. Sie kann wohl die Verbreitung verbieten und die Jugendlichen aufs neue kriminalisieren. Weil das bisherige Verbot der Zugänglichmachung von jeglicher Pornografie an Jugendliche nichts nützte, will das Parlament nun die kommerzielle Verbreitung von Pornografie über die neuen Medien generell, also nicht nur an Jugendliche, verbieten. Das nützt natürlich genauso wenig, da genügend Pornografie frei zugänglich ist. «Die Befürworter der Vorlage hoffen auf einen pädagogischen und präventiven Effekt, zumal nun auch die Werbespots für Handy-Pornos im Fernsehen verschwinden sollen.»

Das ist populistischer Aktionismus ohne Aussicht auf Erfolg. Um den Jugendlichen den Zugang zu Pornografie wirklich zu verwehren, müssten ihre Handys und Computer überwacht und ein grosser Firewall nach chinesischem Vorbild errichtet werden. Wer das nicht will, muss sich damit abfinden, dass Jugendliche Pornografie konsumieren.

Wer (wie ich) gängige Massenpornografie nicht als das geeignete Mittel für die Aufklärung der Jugend erachtet, muss die Kinder eben schon früher auf bessere Art aufklären. Vielleicht mit Filmen, die eine andere Sexualität und andere Geschlechterrollen zeigen?

Creative Commons-Lizenz
Pornografie und die Hilflosigkeit des Parlaments von David Herzog, sofern nicht ausdrücklich anders festgestellt, ist lizenziert unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz.

Autor: David Herzog

Pirat, Humanist, Träumer, Designer, Menschenfreund. Auch hier zu Hause.

Ein Kommentar

  1. Gewalt ist Ausdruck mangelnder Sexualkultur, denn sie ist ein Angriff auf die Identität und diese wiederum hängt mit der sexuellen Orientierung zusammen. Diese wiederum baut auf das biologische Organ und dessen BeFRIEDigung… (Dabei sollte der Unterschied weiblicher und männlicher Identitäten berücksichtigt werden, statt immer nur verwischt. Gleich heist nicht Gleichmacherei, sondern Gleichwertigkeit!)

    Daher wäre die Entheimlichung von sexuellen Handlungen eine Prävention gegen die Enthemmung von Gewalt. Erwachsene sollten endlich lernen, dass es nicht mehr ihr alleiniges Privileg ist, ein Sexualleben zu haben! Und Kinder lernen schon lange, dass sie nicht “aus Liebe” gezeugt wurden und nicht der Storch sie als asexuelle Wesen gebracht hat, wie viele Frauen und Mütter noch lange der Welt weismachen wollen…

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