Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit dürfen nicht verhandelbar sein. Hast du das Asylreferendum schon unterschrieben?
10. November 2012
von David
Keine Kommentare

10. November 2012
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Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit dürfen nicht verhandelbar sein. Hast du das Asylreferendum schon unterschrieben?
21. Oktober 2012
von David
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[Crosspost von «Future of Music»]
Die Musikbranche hatte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine aussergewöhnliche Situation: Durch technische Begebenheiten war sie in der Lage, riesige Stückzahlen an Kopien anzufertigen, und deren ganze Wertschöpfungsreihe bis zum jugendlichen Musikfan zu kontrollieren. Die Jugend sparte und jobbte, um sich die neueste Platte leisten zu können. Später kauften die Leute die gleiche Musik nochmals auf CD, und vielleicht noch auf mehreren Compilations. Die Labels hatten alles unter Kontrolle, von den Reportagen in der «Bravo» bis zu den (verhinderten Parallel-)Importen. Sie bestimmten den Preis und optimierten den Profit. Keine andere Kultursparte, mit Ausnahme von Hollywood, konnte jemals wirtschaftlich so florieren. Weder Theater noch Literatur, weder Artistik noch bildende Kunst hatten je das Glück, mit einem so einträglichen Massengeschäftsmodell gesegnet zu werden. Die meisten Kultursparten sind hochgradig abhängig von Förderungen von Staat und Stiftungen. Dass es der Musikbranche anders erging, war ihr zu gönnen.
Das Geschäftsmodell ist passé. So einfach, so schmerzhaft. Die Verbreitung von Musik ist nicht mehr zu kontrollieren. Das Angebot lässt sich nicht mehr verknappen, die Preise sind nicht mehr hochzuhalten. Eine Scheibe mit Musik ist kein Statussymbol mehr, wie Johnny Gruber hier festgestellt hat. Selbst für Klingeltöne lassen sich die Jugendlichen nicht mehr das Geld aus der Tasche ziehen. Das ist schmerzhaft, gewiss, und hat ernsthafte persönliche Konsequenzen für unzählige Musiker, die nun nicht mehr von ihrer Leidenschaft und ihrem grössten Talent leben können. Mein Verständnis für den Missmut dieser Musiker ist gross. Natürlich ist diese Entwicklung für sie ein Jammer. Für die Jugendlichen ist sie hingegen ein Segen. Sie jobben jetzt für einen iPod touch und kopieren sich dann die geilste Musiksammlung zusammen. Auch ihnen mag ich es gönnen.
Ja, damit ziehe ich die Aussage des Bundesrates in Zweifel, wonach die Gelder, die früher für CDs ausgegeben wurden, weiterhin in gleicher Menge in kulturelle Angebote fliessen. Ich selbst gebe zwar mehr Geld für Musik aus, seit ich das Internet habe, aber ich bin nicht repräsentativ; für mich war Musik schon damals kein Statussymbol. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es nicht Aufgabe des Staates sein kann, ein vergangenes Geschäftsmodell versuchen zu retten. Erstens ist es zwecklos, wie die scheiternden Versuche in Deutschland (Abmahnwahnsinn), Frankreich (Hadopi «Three Strikes») und den USA (ruinöse Schauprozesse) zeigen. Zweitens macht sich die Musikbranche damit zu den Gegnern ihrer Kunden und zerstört damit die Basis für künftige Geschäftsmodelle. Drittens ist nicht erklärlich, wieso die Musikbranche eine so andere Behandlung verdient hätte als andere Kultursparten. Der Staat kann die Rolle des Förderers übernehmen, aber nicht des Konservators eines profitablen Geschäftsmodells. Viertens, und das ist der wichtigste Punkt, hat die Menschheit ein Anrecht auf ein überwachungs- und zensurfreies Internet. Sei das Anliegen noch so berechtigt und wichtig – eine Überwachung der Inhalte und Benutzer im Internet kommt nicht in Frage. Wenn wir die Informationsfreiheit im Internet nicht verteidigen können, dann werden wir keine Informationsfreiheit mehr haben, denn das Internet ist das Medium der Zukunft. Ihr wisst ja: Der Weg zur Hölle ist gespflastert mit guten Absichten. Die Absicht, talentierten Musikern ein Auskommen zu ermöglichen, ist eine gute. Zu diesem Zweck die Netzfreiheit einzuschränken, wäre eine Katastrophe.
Was nun? Die Musikbranche dahinserbeln lassen? Mein Eindruck ist, dass sich neue Chancen auftun. Das Statussymbol der Zukunft werden noch mehr als heute Live-Events sein. Heute ist nicht mehr der Besitzer der angesagtesten Platte der Chef auf dem Pausenplatz, sondern derjenige, der einen Livemitschnitt eines epischen Auftritts auf Facebook posten kann. Die Ticketpreise steigen und steigen. Die erfolgreichsten Live-Musiker und DJs können bezüglich Einkommen locker mit den erfolgreichsten Sportlern mithalten, wie diese Forbes-Liste zeigt. Auch die Finanzierung durch Crowdfunding wird in Zukunft für viele Musikschaffende eine Möglichkeit sein, die ernsthaft in Betracht zu ziehen ist. Aber das ist noch lange nicht alles. Wie Amanda Palmer schon im Januar 2010 in diesem bemerkenswerten Interview sagte: «I don’t think there’s gonna be ONE way. It’s gonna be infinite possibilities. And it’s gonna be up to the artists in question to decide how they want to exchange their goods for money. There’s gonna be an infinite variety of ways that you can have music, experience, profit, connection… There’s so many things you can do as an artist! There’s so many ways you can choose to do it.»
Kein Staat kann diese Entscheidungen abnehmen. Kein Staat kann neue Modelle ausprobieren. Die Kreativen seid ihr, liebe Musikschaffende. Je mehr sich der Staat zurückhält, desto schneller können die Musikschaffenden neue Geschäftsmodelle entwickeln. Tun sie es, werden sie auch auf das Wohlwollen von Politik, Piraten und Publikum zählen können und werden nicht mehr über eine angebliche «Gratismentalität» klagen müssen. Vielleicht können sie dann sogar an die wirtschaftlich erfolgreichsten Zeiten anknüpfen.
26. August 2012
von David
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Die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga beruft eine Arbeitsgruppe ein, die Vorschläge machen soll für eine Überarbeitung des Urheberrechts. Was kann eine solche Arbeitsgruppe erreichen? Was ist ihr Spielraum? Es ist Zeit für eine ganz nüchterne Betrachtung.
In der Urheberrechtsdabatte werden allenthalben allerlei Dinge gefordert. Selten haben die Vorschläge Hand und Fuss, noch seltener haben sie das Potenzial, eine politische Mehrheit zu finden. Oder sie widersprechen internationalem Recht. Es ist zwar interessant, über solche Ideen zu diskutieren, aber umsetzbar sind sie nur auf internationaler Ebene und mit einem längeren Zeithorizont. Für die Arbeitsgruppe fallen sie deshalb nicht ernsthaft in Betracht. Dazu gehören:
Fazit: Den energischen Debatten zum Trotz ist keine grosse Reform des bereits im Jahr 2008 teilrevidierten Schweizer Urheberrechts zu erwarten. Diese Erkenntnis würde eigentlich erlauben, die Debatte etwas gelassener zu führen und das Augenmerk mehr auf die vermeintlich kleineren Aspekte zu richten. Es gibt nämlich viele Ideen für Verbesserungen im Kleinen:
Dies sind die Themen, bei denen hier und heute politischer Spielraum besteht. Die Arbeitsgruppe sollte sie nutzen. Es ist schade, dass solche Vorschläge bisher in der Öffentlichkeit viel weniger diskutiert werden als die unrealistischen bis extremistischen Vorschläge. Denn die Auswirkungen von solchen Änderungen sind nicht zu unterschätzen. Sie können zu einer beträchtlichen Deeskalierung des Verhältnisses zwischen Urhebern und Nutzern, zu einer Förderung der kulturellen Vielfalt und zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates führen. In vielen der erwähnten Bereiche sind Allianzen von Kulturschaffenden und Piraten gut möglich. Hoffen wir, das der Pragmatismus gewinnt gegen die Ideologien!
14. Juni 2012
von David
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Das, was in Bern mit dem Asylrecht angestellt wird, hat mit normaler Politik nichts mehr zu tun. Das ist die reinste Sado-Maso-Show.
Man gibt vor, man wolle «Fehlanreize» beseitigen, macht aber das Gegenteil: Während Schwerverbrecher ein Einzel- oder Zweierzimmer mit Tageslicht, zubereitete Mahlzeiten, Betreuung, Freizeitangebote und eine Ausbildung oder Arbeit mit Taschengeld als Lohn erhalten (und das natürlich zurecht, denn sie sollen ja nicht krimineller aus der Haft entlassen werden als sie eingebuchtet werden), sollen Menschen, die aus Not ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um hierher zu gelangen, in unterirdischen Massenschlägen untergebracht, mit Arbeitsverbot belegt und mit 8 Franken Migros-Gutscheinen pro Tag abgespeist werden. Zum Glück hat das Strafrecht sowieso keine abschreckende Wirkung, sonst würde sie hier längst verloren gehen. Aber wenn wir statt der Ausschlusskultur eine Willkommenskultur aufrecht erhalten würden, gäbe es viele Probleme, die wir mit Asylsuchenden haben, nicht mehr. Denn in einer solchen Ausschlusskultur fehlt der soziale Anreiz, etwas zurückzugeben und sich anzustrengen.
Man gibt vor, «echten» Flüchtlingen helfen zu wollen und die humanitäre Tradition hochzuhalten, und macht das Gegenteil. Die idealste Methode, um auf effiziente Weise echten Flüchtlingen zu helfen, ist die Annahme und Bearbeitung von Asylgesuchen in den Botschaften vor Ort. Diese Asylsuchenden belasten unser Asylsystem viel weniger, und nur die «echten» Flüchtlinge gelangen in die Schweiz. Oft kann auch eine Lösung im Drittstaat vor Ort gefunden werden. Man erspart ihnen den Stress und die Gefahren der Flucht per Schlepperbanden. Eine Win-win-Situation. Aber nein, man will nicht einmal den «echten» Flüchtlingen helfen.
Denn der humanitäre Gedanke ist längst verloren gegangen. Stattdessen ist ein beschleunigter Race to the bottom im Gange: Jeder europäische Staat versucht, weniger attraktiv als Zielland zu sein als die anderen europäischen Staaten. Das ist das einzige Ziel, das diese Politiker im Auge haben. Die Mittel in diesem Wettbewerb lauten: Jahrelanges Bewirtschaften von Problem statt sie zu lösen, immerwährende übertriebene Darstellung dieser Probleme, um sich dann die Stammtischparolen anzueignen. Heraus kommt dieses rauschartige, schauderliche Sado-Maso-Spiel, das niemandem etwas bringt und für Tausende Menschen in unserer Gesellschaft bitterer Ernst ist.
Das Gerede von der humanitären Tradition tönt wie blanker Hohn.
31. Mai 2012
von David
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Amanda Palmer sammelt im Internet innert einem Tag 250’000 und innert eines Monats über eine Million US-Dollar – für ein Musikalbum, das noch gar nicht existiert, sondern erst im September ausgeliefert werden soll. Das erstaunt selbst mich ein wenig, der schon immer wusste, dass die behauptete «Gratiskultur im Internet» ein Mythos ist. Spätestens jetzt sollten es alle ahnen können: Das Internet erfordert von allen Teilnehmern am Musikmarkt ein radikales Umdenken – oder sie werden untergehen wie einst die Kutscher, die sich gegen das Aufkommen des Automobils wehrten. Wer es aber schafft, die Veränderungen zu antizipieren, kann weiterhin mit seiner Musik reich werden.
Leider ist die Schweizer Musikszene auch dem falschen Pfad, wie das aktuelle Statement des Vereins Musikschaffende Schweiz eindrücklich zeigt. Sie pochen auf ihrem «geistigen Eigentum» (obwohl es so etwas im Schweizer Recht gar nicht gibt) und argumentieren moralisch und aus einer Position der Angst heraus. So menschlich und nachvollziehbar das auch ist – es wird nicht gut enden, wenn sie so weitermachen. Das fände ich aber sehr schade. Darum hier ein paar Denkanstösse. Die Hoffnung, dass diese angenommen werden, statt sie als naiv, arrogant und besserwisserisch abzutun, ist zwar nicht allzu gross – aber mein Glauben in die Menschen ist beinahe unerschütterlich. Also…
Ich schlage vor, dass wir uns von den folgenden Vorstellungen verabschieden, statt uns an ihnen festzuhalten:
Geschätzte Musikschaffende: Ihr habt die Wahl. Entweder führt ihr euren Kampf gegen den Wandel weiter. Dann solltet ihr euch aber nicht wundern, wenn euch eure Kunden abhanden kommen oder ihr sie gar gegen euch aufbringt. Oder ihr denkt darüber nach, wo euer Platz in dieser neuen Ära sein könnte. Das hättet ihr zwar schon vor zehn Jahren machen können, aber noch ist es nicht zu spät. Ich verstehe, dass dieser radikale Schritt ein sehr schwieriger ist. Ich wünsche euch von Herzen, dass er euch gelingt.
25. Mai 2012
von David
7 Kommentare
Der Verein Musikschaffende Schweiz hat ein «gemeinsames Statement» veröffentlicht. Man konnte darunter in einem Facebook-Plugin kommentieren. Jedoch ist ihnen die Diskussion etwas aus dem Ruder gelaufen, weshalb sie die Kommentare entfernt haben. Aber ihr wisst ja: Das Internet vergisst nicht, insbesondere Facebook nicht. Hier sind sie wieder – die Diskussion kann fortgesetzt werden: