Substanzielles aus der Sicht eines Piraten

17. Juni – so stimme ich ab

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Stimmzettel 17. Juni
Für Zürcher Stimmberechtigte stehen am 17. Juni nicht weniger als 13 Entscheidungen an. Dies ist zugleich Privileg als auch Verantwortung. Je mehr Abstimmungen auf einmal stattfinden, desto grösser ist die Gefahr, dass man, gestützt auf Halbwissen, mit dem «Bauch» abstimmt – die Qualität der Volksentscheidung nimmt ab. Daher: Informiert euch! Als Anregung hier mein Stimmverhalten mit je einer kurzen Begründung.

Eidgenössische Vorlagen

  1. «Eigene vier Wände dank Bausparen» – Nein. Steuergeschenke sind teure Subventionen, von denen immer nur diejenigen profitieren, die es am wenigsten nötig haben. Es wäre die 100. Steuerabzugsmöglichkeit. Die Steuerprogression ist schon aufgeweicht genug und die Steuererklärung schon kompliziert genug.
  2. «Staatsverträge vors Volk» – Nein. Durch das Ständemehr erhalten die Kleinkantone noch mehr Macht.
  3. «Managed Care» – Ja. Ich war lange unschlüssig. Die Krankenkassen haben zu viele Lobbyisten im Parlament, weshalb es keine gute Vorlage ist. Trotzdem ist es gut, dass der Entwicklung hin zu einem Selbstbedienungsladen im Gesundheitswesen entgegengewirkt wird. Ärzte können das System weniger gut ausnutzen und Patienten können kein Ärzte-Hopping mehr betreiben und die Notaufnahmen der Spitäler unnötig beschäftigen. Ein Versuch ist es meines Erachtens jedenfalls Wert.

Kantonale Vorlagen

  1. Steuergesetz – Nein. Unnötige Steuergeschenke an Grossfirmen, nachdem diese bereits von der Unternehmenssteuerreform II massiv profitierten. Leidtragende sind hauptsächlich die Steuerzahler der Stadt Zürich, die schon heute viel mehr zahlen als diejenigen in den umliegenden Gemeinden.
  2. Spitalplanungs- und Finanzierungsgesetze – 3 mal Ja. Da es hier drei konkurrierende Vorlagen gibt, besteht die Gefahr, dass alle drei abgelehnt werden. Dies würde zu Rechtsunsicherheit führen, womit niemandem gedient wäre. Aus Staatsraison (und weil der Entscheid für mich nicht so bedeutungsvoll ist) stimme ich deshalb dreimal Ja.
    • 2d. Stichfrage 1 – Vorlage B. Ein gewisser Ausgleich der Gewinne der Spitäler scheint mir zweckmässig.
    • 2e. Stichfrage 2 – Vorlage A. Ich habe nicht den Eindruck, dass Spitalpersonal einen speziell hohen Arbeitnehmerschutz braucht.
  3. Verkehrsabgabengesetz – Ja. Ein zusätzlicher Anreiz, sich ein umweltschonenderes Fahrzeug anzuschaffen, kann nicht schaden.
  4. «Der Kunde ist König» – Ja. In der Gastronomie wurde die Polizeistunde vor 15 Jahren aufgehoben. Es ist Zeit, dass auch der Detailhandel sich den veränderten Lebensgewohnheiten anpassen kann.
  5. «Freie Schulwahl ab der 4. Klasse» – Nein. Die meisten Eltern überschätzen sich, wenn sie meinen, sie könnten alleine die besten Entscheide für ihr Kind fällen. Es ist gut, dass Kinder nicht vollkommen den Launen ihrer Eltern ausgeliefert sind, sondern die Schulbehörden auch noch mitbestimmen können. Kinder sind kein Besitztum der Eltern. Die Allgemeinheit hat eine Verantwortung für die Kinder, und dieser kommt sie über die Volksschule nach.
  6. Kulturlandinitiative – Nein. Intelligente Raumplanung bedeutet nicht, einfach generell Ackerland zu schützen. Es ist besser, in Stadtnähe Land zu überbauen, als irgendwo abseits in schlecht erschlossenen Gebieten.

Creative Commons-Lizenz
17. Juni – so stimme ich ab von David Herzog, sofern nicht ausdrücklich anders festgestellt, ist lizenziert unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International Lizenz.

Autor: David Herzog

Pirat, Humanist, Träumer, Designer, Menschenfreund. Auch hier zu Hause.

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