Substanzielles aus der Sicht eines Piraten

12. März 2015
von David Herzog
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How to: Livestream aufnehmen (Mac)

Weil ich gerade einige Zeit gebraucht habe, um herauszufinden, wie man einen Livestream wie z.B. den WebTV des Schweizer Parlaments aufnimmt und speichert, hier zur Abwechslung mal eine kleine Anleitung für Mac-User.

1. Soundflower installieren

Damit der Systemsound direkt aufgenommen werden kann, muss die freie Software Soundflower heruntergeladen und installiert werden. Ohne dieses Tool kann Audio nur mit Umweg via Lautsprecher und Mikrophon aufgenommen werden, mit entsprechender Qualitätseinbusse. Da die Software nicht von einem lizenzierten Apple-Entwickler ist, muss vor der Installation gegebenenfalls noch erlaubt werden, Software aus beliebiger Quelle zu installieren. Dies geschieht in der Systemeinstellung «Sicherheit»:
sicherheit

2. Audio umschalten

Nachdem Soundflower erfolgreich installiert wurde, die alt-Taste gedrückt halten und auf das Lautsprecher-Symbol in der Menüleiste klicken. Hier kann das Ausgabegerät nun auf «Soundflower (2ch)» gewechselt werden. Nach Abschluss der Aufnahme kann dies wieder zurückgewechselt werden.
toneinstellung

3. Quicktime Player starten

Nun muss das Programm Quicktime Player gestartet werden. Dort gibt es die Funktion «Ablage > Neue Bildschirmaufnahme». Dies öffnet ein kleines Fenster, in dem als Mikrofon «Soundflower (2ch)» ausgewählt werden muss.
quicktime-einstellung

4. Aufnahme starten

Nun kann die Aufnahme beginnen. Im Webbrowser kann nun der Livestream gestartet werden. Wenn vom Ton nichts zu hören ist, dann ist das korrekt. Im Quicktime Player kann der rote Aufnahmeknopf geklickt werden werden. Nun muss mit der Maus der Bildschirmausschnitt gewählt werden, in dem das Video läuft: Einfach ziehen mit der Maus, und wenn nötig noch etwas anpassen. Mit «Aufnahme starten» startet die Aufnahme. Im Quicktime-Player-Fenster kann die Aufnahme wieder gestoppt werden. Speichern, fertig!
streamaufnahme

1. März 2015
von David Herzog
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Exodus aus Afrika abgesagt

Gestern erschien auf der Frontseite der NZZ ein Leitartikel von David Signer unter dem Titel «Eine Bankrotterklärung Afrikas». Darin beklagt er, dass «mit moralischem Unterton von der ‹Festung Europa› gesprochen» wird und von der Schuld Europas die Rede sei, während «die Hauptschuldigen der ganzen Misere kaum je an den Pranger gestellt werden: die afrikanischen Regierungen». An dem Text ist einiges falsch.

Behauptung 1: Es gibt einen Exodus aus afrikanischen Ländern, in denen kein Bürgerkrieg herrscht.

Ich habe den Wanderungssaldo der einzelnen Länder (Einwanderungen minus Auswanderungen) der Jahre 2010–2014 ins Verhältnis gesetzt zur Bevölkerungszahl dieser Länder und auf einer Karte visualisiert (hier bildschirmfüllend):

Dabei lässt sich feststellen: Von einem Exodus kann allenfalls bei Krisenländern wie Libyen, Sudan, Somalia, und Mali gesprochen werden. Aber selbst bei diesen Ländern liegt der Wanderungssaldo in der Grössenordnung von osteuropäischen Ländern wie Moldawien, Serbien und Albanien. Und dies, obwohl die afrikanischen Länder im Gegensatz zu den osteuropäischen Ländern einen massiven Geburtenüberschuss haben.

Die Auswanderungsquoten der im Artikel erwähnten Länder Ghana und Nigeria betragen einen Drittel beziehungsweise einen Sechstel derjenigen von Serbien. Einzig Kongo-Kinshasa kommt in die Nähe der Zahlen aus osteuropäischen Auswanderungsländern und ist etwa gleichauf mit EU-Land Litauen. Das ebenfalls im Artikel erwähnte Eritrea hat sogar mehr Zuwanderung als Abwanderung, ebenso wie der Südsudan, Simbabwe, Äquatorialguinea, Botwana, Angola, Gabun, die Elfenbeinküste und die Zentralafrikanische Republik – alles Einwanderungsländer.

Fazit: Der Exodus aus Afrika ist abgesagt.

Behauptung 2: Auswanderungsbewegungen sind ein Problem für die afrikanischen Länder.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Schweiz einen Geburtenüberschuss und noch keinen Wohlstand hatte, unterstützten viele Gemeinden ihre Bürger bei der Auswanderung nach Übersee. Obwohl eigentlich Arbeitskräftemangel herrschte, wurde die Auswanderung eher als Lösung denn als Problem betrachtet. Wieso soll es in afrikanischen Ländern anders sein? Signer vermutet selber, dass «manche Regierung insgeheim froh» sei über Abwanderungen. Wieso insgeheim? Wieso soll Abwanderung ein Problem sein für diese Länder?
Signer erwähnt auch abwandernde Wissenschafter. (Nebenbei, was haben diese mit Lampedusa zu tun?) Mag sein, dass der Braindrain tatsächlich ein Problem darstellt. Möglicherweise hält sich aber auch dieser Verlust in Grenzen, weil sie Geld zurückschicken und bei einer allfälligen (teilweisen) Rückkehr auch Know-how transferieren.

Fazit: Kein Zweifel, in Afrika sind gewaltige Herausforderungen zu meistern. Selbst wenn es moderate Auswanderung gibt, ist dies keines von diesen Problemen.

Behauptung 3: Afrikanische Regierungen sind gleichgültig gegenüber dem Exodus. Sie schlagen nicht Alarm und führen keine Sondergipfel durch.

Da die Mär vom Exodus bereits widerlegt ist, ist nur noch die Frage zu erörtern, ob «die afrikanischen Regierungen» gleichgültig sind gegenüber den grössten realen Problemen ihrer Bevölkerung. Das letzte Gipfeltreffen der Afrikanischen Union suchte Lösungen für die Krisensituationen im Südsudan, in Zentralafrika, Mali und Nigeria (Boko Haram). Landwirtschaft und Ernährungssicherheit sollen am nächsten Gipfel erörtert werden. Sicher, es gibt unter diesen Regierungschefs üble Despoten, und manch einem sind die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung ziemlich egal. Natürlich unterdrückt die Regierung von Eritrea ihre Bevölkerung bisweilen. Von einer allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber den wichtigsten Problemen kann aber nicht die Rede sein.

Fazit: Gleichgültigkeit oder Ignoranz gegenüber den Problemen Afrikas trifft eher auf die NZZ zu als auf die Mehrheit der afrikanischen Regierungen.

Behauptung 4: Die afrikanischen Regierungen sind verantwortlich für die Missstände

Die Regierungen seien dafür verantwortlich, dass sich kaum etwas ändert an der Misere, die Signer so beschreibt: «Die Schulen und Universitäten sind marod, der öffentliche Verkehr, die ärztliche Versorgung, die Verwaltung sind ein Desaster, Arbeitsplätze kriegt man nur durch Beziehungen oder Schmiergeld, verdient man endlich etwas, muss man es verteilen, auch Heiraten kann man nur mit Geld, und überall herrschen Traditionalismus, Konformismus, Sexismus, Autoritarismus, Aberglauben.»

Dass eine Regierung ein Land in einem schlechten Zustand übernimmt, kann ihr kaum zur Last gelegt werden. Dass sie solch gewaltigen Probleme nicht von einem Tag auf den anderen beheben kann, ebenfalls nicht. In Ländern, in denen es wirklich keine Fortschritte gibt in diesen Bereichen, muss die Verantwortung dafür in der Tat der Regierung gegeben werden. Offensichtlich gibt es aber in den meisten Ländern Fortschritte, sonst wären die Auswanderungszahlen wohl mindestens so hoch wie in Serbien, Albanien und Moldawien.

Fazit: Die afrikanischen Regierungen sind verantwortlich für den stetigen Fortschritt in ihren Ländern.

Behauptung 5: Die afrikanischen Regierungen tragen die Hauptschuld am Flüchtlingsdrama vor Lampedusa.

Die Suche nach einem Sündenbock hat noch selten ein Problem gelöst. Die Frage ist doch: Wer hat die Möglichkeit, weitere Flüchtlingsdramen zu verhindern? Die inexistente libysche Regierung? Offensichtlich nicht. Die Präsidenten Goodluck Jonathan und Joseph Kabila durch bessere Regierungsführung? Das würde kaum nennenswerte Auswirkungen haben, schon gar nicht kurzfristig. Migration wird es immer geben. Die EU-Staaten können hingegen weitere Flüchtlingsdramen verhindern. Es wäre für sie eine vergleichsweise kleine Herausforderung. Aber diejenigen, die können, wollen anscheinend nicht. Die Toten sind offensichtlich Teil ihrer Abschreckungspolitik. Ob sie dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können, müssen diese selber mit sich ausmachen. Und die Wähler sollten sich überlegen, ob sie es für vertretbar halten, solche Regierungen zu wählen.

Fazit: Da entsteht der Eindruck, dass jemand bloss sein schlechtes Gewissen (und das seiner Leser) beruhigen will.

25. Februar 2015
von David Herzog
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Smartvote-Fragen kommentiert

15800003698Ich kandidiere zum zweiten Mal für den Kantonsrat. Bei der Wahlhilfe Smartvote habe ich ich den Fragebogen ausgefüllt. Der Spider ist aufgrund der gestellten Fragen etwas anders herausgekommen als sonst üblich – weniger Umweltschutz und weniger Sozialstaat. Das sind die Fragen und meine Antworten und Kommentare dazu:

FrageAntwortKommentar
Würden Sie die Einführung von Ergänzungsleistungen für Familien mit tiefen Einkommen im Kanton Zürich befürworten?Eher neinNoch mehr Spezialkässeli für Bevölkerungsteile bringen machen das System nicht gerechter, sondern nur komplizierter.
Sollen bei der Zürcher Sozialhilfe tiefere Ansätze angewendet werden als von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) empfohlen?NeinKein Wettbewerb auf Kosten der Ärmsten!
Befürworten Sie eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen und Männer (z.B. auf 67 Jahre)?Eher jaDie Frage ist unglücklich. Ich will eine Flexibilisierung mit dem Ziel, dass mehr Leute freiwillig länger arbeiten, um den demographischen Effekt abzufedern.
Soll sich der Kanton dafür einsetzen, dass die Kompetenzen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) wieder vermehrt den Gemeinden übertragen werden?NeinNun erst mal Erfahrungen sammeln und dann analysieren. Das heutige System hat viele Vorteile gegenüber dem alten.
Soll die Beteiligung privater Geldgeber (Teilprivatisierung) an den öffentlichen Spitälern (Regionalspitäler, Kantonsspital Winterthur, Universitätsspital Zürich) generell verboten werden?JaDie Spitäler sollen im Interesse der Bevölkerung handeln, also auch ihr gehören.
Eine kantonale Initiative verlangt ein deutlich stärkeres finanzielles Engagement des Kantons für die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Unterstützen Sie dieses Anliegen?NeinÜberlassen wir die Wohnbaupolitik den Gemeinden.
Würden Sie es begrüssen, wenn die Volksschule im Kanton Zürich flächendeckend nach dem Modell von (nicht-obligatorischen) Tagesschulen geführt würde?JaVereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern!
Gemäss dem Konzept der integrativen Schule werden Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen grundsätzlich in regulären Schulklassen unterrichtet. Befürworten Sie dies?JaInklusion, wo es möglich ist.
Finden Sie es richtig, wenn Schulen Dispense aus religiösen Gründen für einzelne Fächer oder Veranstaltungen bewilligen (z.B. Turn-/Schwimmunterricht, Schullager oder Sexualkundeunterricht)?NeinAber in Einzelfällen müssen pragmatische Lösungen zum Wohle der Kinder gefunden werden.
Heute werden in der Primarschule zwei Fremdsprachen unterrichtet: Englisch ab der 3. und Französisch ab der 5. Klasse. Würden Sie eine Rückkehr zum Modell mit nur einer Fremdsprache auf der Primarstufe begrüssen?JaZwei Lektionen pro Woche ist einfach zu wenig intensiv für einen zufriedenstellenden Lernerfolg.
Würden Sie es begrüssen, wenn die Volksschulen eigene Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium anbieten müssten?JaWenn man an den Prüfungen festhält, dann mit gleichen Chancen für alle.
Eine kantonale Volksinitiative verlangt, dass der Besuch kantonaler Bildungseinrichtungen (z.B. Uni oder Fachhochschulen) für Einwohner/innen des Kantons Zürich kostenlos werden. Befürworten Sie dieses Anliegen?JaJe mehr die Studenten arbeiten müssen, desto stärker leidet das Studium.
Befürworten Sie finanzielle Einsparungen bei der kantonalen Fachstelle für Integration?NeinScheint mir nützlich zu sein.
Würden Sie es befürworten, wenn Ausländerinnen und Ausländer, die seit mindestens zehn Jahren im Kanton Zürich leben, das aktive und passive Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene erhalten würden?JaStimmrecht für alle!
Sollen die Anforderungen bei Einbürgerungen, insbesondere hinsichtlich Deutschkenntnisse und gesellschaftlicher Integration, erhöht werden?NeinSie reichen aus.
Eine kantonale Volksinitiative fordert die Abschaffung der Härtefallkommission, welche für die Beurteilung von Wiedererwägungsgesuchen von abgewiesenen Asylbewerbern zuständig ist. Befürworten Sie dieses Vorhaben?NeinGeht’s noch?
Befürworten Sie das bestehende Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU?JaReisefreiheit für dich und mich!
Würden Sie die Einführung einer Geschlechterquote von 35% für Führungspositionen in der Kantonsverwaltung sowie bei staatlichen bzw. staatsnahen Betrieben (Kantonalbank, Spitäler etc.) begrüssen?Eher neinMan kann dieses Ziel auch ohne starre Quote erreichen, wenn man will!
Würden Sie es begrüssen, wenn die kantonale Kulturförderung vermehrt die freie Kulturszene unterstützen würde anstelle von etablierten Kulturinstitutionen (wie z.B. Opern- und Schauspielhaus, Tonhalle, Kunsthaus)?JaDie Etablierten sind zum Teil zu elitär.
Sollen gleichgeschlechtliche Paare, die in eingetragener Partnerschaft leben, Kinder adoptieren dürfen?JaIn welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?
Würden Sie es befürworten, wenn in der Schweiz die direkte aktive Sterbehilfe durch einen Arzt straffrei möglich wäre?JaSelbstbestimmung bis zum letzten Atemzug!
Würden Sie es befürworten, wenn auf öffentlichem Grund die Prostitution sowie das Anwerben zur Prostitution verboten würden?NeinAus den Augen aus dem Sinn? Nö.
Sollen der Konsum von weichen Drogen sowie deren Besitz für den Eigengebrauch legalisiert werden? JaLegalize it!
Befürworten Sie eine vollständige Trennung von Kirche und Staat im Kanton Zürich?JaReligion ist Privatsache!
Befürworten Sie befristete Steuererhöhungen als Beitrag zur Sanierung des Kantonshaushalts?Eher jaIst kein Weltuntergang.
Befürworten Sie eine steuerliche Entlastung von hohen Einkommen mittels Streichung der obersten Progressionsstufe der Zürcher Einkommenssteuer?NeinEs gibt noch ein paar wichtigere Prioritäten.
Eine kantonale Volksinitiative will Anzahl und Höhe von Gebühren zukünftig vom Stimmvolk bewilligen lassen. Begrüssen Sie dies?Eher jaSteuersenkungen auf Kosten von Gebührenzahlern sind oftmals ungerechtfertigt. Die Gebühren sollen öffentlich gerechtfertigt werden müssen!
Sollen die Regeln der Schulden- und Ausgabenbremse im Kanton Zürich verschärft werden?Eher neinIch habe den Eindruck, dass sie ausreicht.
Soll das Bankgeheimnis gegenüber schweizerischen Steuerbehörden aufgehoben werden?NeinTransparenter Staat staat gläserne Bürger!
Befürworten Sie die Einführung eines für alle Arbeitnehmenden in der Schweiz geltenden Mindestlohns?NeinMir graut es vor der Scheinpraktikanten- und Scheinselbstständigen-Polizei.
Sollte mit der Umnutzung des Flugplatzgeländes Dübendorf zu einem Innovationspark der Flugbetrieb vollständig eingestellt werden?JaAber hallo!
Soll die unbeschränkte Staatsgarantie der Zürcher Kantonalbank abgeschafft werden?NeinWenn sie eh too big to fail ist, dann lieber so.
Sind Sie für eine vollständige Liberalisierung der Geschäftsöffnungszeiten (Geschäfte können die Öffnungszeiten nach freiem Ermessen festlegen)?JaEntlastung für Familienbetriebe.
Unterstützen Sie ein Deregulierungs-Programm für die Wirtschaft, um die negativen Folgen der Frankenstärke für die Unternehmen zu reduzieren?Eher neinDie Frankenstärke ist der falsche Anlass. Konkrete Vorschläge kann man aber immer diskutieren.
Befürworten Sie zur strikten Umsetzung der vom Volk angenommenen Kulturland-Initiative zusätzliche Massnahmen auf Gesetzesstufe?NeinEine gezielte urbane Entwicklung sollte möglich bleiben.
Würden Sie es begrüssen, wenn das Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in der Schweizer Landwirtschaft zeitlich unbefristet gelten würde?NeinAm besten wäre patentierte Gentechnik zu verbieten, unpatentierte hingegen zuzulassen, denn sie ist nicht risikoreicher als andere moderne Züchtungsmethoden.
Sollen für den Bau und den Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken die Vorschriften des Umwelt- und Landschaftsschutzes gelockert werden?JaEs soll aber eine Einzelfall-Abwägung stattfinden.
Eine Volksinitiative verlangt den schrittweisen Ausstieg der Schweiz aus der Atomenergie bis 2029. Befürworten Sie dieses Anliegen?Eher jaDie Kraftwerke der 2. und 3. Generation sind bis dann abzuschalten. Ich hoffe aber auf die 4. Generation.
Soll sich der Kanton Zürich für die Erreichung einer 2000-Watt-Gesellschaft einsetzen und zu diesem Zweck verbindliche Massnahmen ergreifen?NeinIch find das Ziel unrealistisch. Ich fände realistische Ziele zum Zweck der Reduktion des Verbrauchs nicht-erneuerbarer Energien sinnvoller.
Befürworten Sie im Grundsatz den geplanten Ausbau des Zürcher Autobahnnetzes (z.B. Ausbau auf sechs Spuren auf der A1 am Gubrist oder die Lückenschliessung auf der Oberlandautobahn zwischen Uster und Hinwil)?Eher jaDen Verkehr in den Dörfern und den Stau am Gubrist mit Ausweichverkehr braucht man nicht unter Schutz zu stellen.
Soll der Kanton Zürich zusätzliche Massnahmen ergreifen, um den Langsamverkehr (Velo- und Fussverkehr) gegenüber dem motorisierten Verkehr zu fördern?JaWir wurden genug an den Rand gedrängt!
Befürworten Sie eine Pistenverlängerung am Flughafen Zürich-Kloten?Eher jaLieber Ost- als Südanflüge.
Würden Sie eine Reform des Zürcher Finanzausgleichs befürworten, mit welcher der Standortwettbewerb zwischen den Gemeinden gestärkt bzw. die Ausgleichswirkung abgeschwächt wird?NeinDer Finanzausgleich verhindert allzu starkes Auseinanderdriften der Gesellschaft und ermöglicht den Gemeinden, möglichst viel Autonomie zu wahren.
Soll die Finanzierung von Parteien sowie von Wahl- und Abstimmungskampagnen vollständig offengelegt werden?JaPolitiker zu kaufen sollte nicht länger legal sein.
Sind Sie dafür, dass die Zürcher Gemeinden die Möglichkeit erhalten, Kinder- oder Jugendparlamente einzurichten?JaAber besser: Wahlalter 0!
Soll das Jugendstrafrecht in Zukunft mehr Gewicht auf das Verbüssen längerer Haftstrafen in geschlossenen Anstalten als auf Resozialisierungsmassnahmen legen? NeinHeranzüchtung von Monstern?
Sollen die Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur präventiven Überwachung des Post-, Telefon- und E-Mail-Verkehrs ausgeweitet werden? NeinPflanzt uns die Überwachungschips gleich ein!
Sollen Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum (Vandalismus, Sprayereien) konsequenter verfolgt und härter bestraft werden?NeinMehr grau?
Finden Sie es richtig, wenn Hausbesetzungen polizeilich toleriert werden, sofern eine Liegenschaft leer steht und keine Abbruch- oder Baubewilligung vorliegt?Eher jaSolange kein wirklicher Schaden entsteht.
Würden Sie es befürworten, wenn an Sportanlässen im Kanton Zürich Ausweiskontrollen eingeführt würden (z.B. bei Fussball- und Eishockeyspielen)?NeinErst mal Pyros legalisieren.
Soll die Schweiz mit den USA über ein Freihandelsabkommen verhandeln?Eher jaIm Prinzip bin ich für einen Abbau der Handelshemmnisse. Aber nicht, wenn damit Demokratieabbau und private Schiedsgerichte verbunden sind.
Die Schweiz verfolgt seit einigen Jahren eine aktivere Aussenpolitik, die sich weniger an der strikten Neutralität orientiert. Begrüssen Sie dies?JaPassivität ist für Feiglinge.
Soll die Schweiz innerhalb der nächsten vier Jahre EU-Beitrittsverhandlungen aufnehmen?JaWer verhandelt, weiss, woran er ist, und hat mehr Handlungsoptionen.
BildungMehrFrühförderung und so.
KulturförderungGleich viel
Öffentliche SicherheitWenigerLegalize it!
Soziale WohlfahrtGleich viel
GesundheitswesenGleich viel
Öffentlicher VerkehrGleich viel

11. Januar 2015
von David Herzog
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Toni Brunners Rezept für den Umgang mit der Bedrohung

Es ist interessant, Parallelen zu ziehen zwischen den Anschlägen in Oslo und Utøya 2011, bei denen 77 Menschen starben, und den Pariser Anschlägen, bei denen 17 Menschen plus die Attentäter getötet wurden.

Nach Utøya sagte SVP-Präsident Toni Brunner, angesprochen auf die ideologische Nähe zwischen Breivik und der SVP:

Zuerst einmal: Was in Oslo geschah ist eine Katastrophe. Das macht auch irgendwie sprachlos.

Das Zweite: Wer es versucht politisch zu instrumentalisieren und irgendwelche politische Gruppierungen versucht dafür verantwortlich zu machen, der disqualifiziert sich selber. Was man aber festhalten muss: In jeder Gesellschaft, vor allem auch in der modernen Wohlstandsgesellschaft, auch in Westeuropa, gibt es Leute, die sich benachteiligt oder auch missverstanden fühlen, vielleicht auch nicht auf offene Ohren stossen, und damit auch ein gewisses Frustpotenzial anhäufen. Das gibt es in jeder Gesellschaft, das kann man auch nirgends ausschliessen.

Aber die Politik, und das ist ja das Privileg einer schweizerischen direkten Demokratie, muss fähig sein, die Probleme, die in der Bevölkerung vorhanden sind, aufzunehmen und auch anzusprechen. Gerade dieses Frustpotenzial, das bei vielen Leuten eben vorhanden ist, dass man dieses nicht nur auffangen kann, sondern dass man auch einen Ideenwettbewerb an Lösungen ausdiskutieren kann. Das ist ja in der Schweiz das Schöne, dass man an der Urne direkt Einfluss nehmen kann, und dann bestimmt eine Mehrheit über eine Minderheit.

So ganz falsch ist das nicht, auch wenn Brunner der radikalen Rechten mit (um im SVP-Jargon zu bleiben) reichlich Gutmenschentum begegnet, wenn man bedenkt, dass rechte Anschläge auch in der Schweiz Realität sind. Wer nun aber erwartet, dass Brunner nach den Anschlägen von Paris fordert, dass Muslime, die sich benachteiligt oder missverstanden fühlen, besser in die Politik eingebunden werden sollen, der liegt natürlich falsch. Viele Muslime hierzulande haben ja nicht einmal ein Stimmrecht und müssten bei der SVP erst recht auf Verständnis stossen, wenn sie «Frustpotenzial anhäufen». Würde die SVP das wirklich so meinen, wie Brunner es nach Oslo gesagt hat, müsste sie konsequenterweise eine Gleichstellung von muslimischen Verbänden mit christlichen Kirchen, eine schnelle Einbürgerung und einen muslimischen Bundesrat fordern.

Stattdessen wird Lukas Reimann in die Arena geschickt, der lauter repressive Massnahmen fordert: «Nulltoleranz» mit Ausweisung von Hasspredigern, Verbot von radikalen Organisationen, die «das Klima vergiften», Verhaftung von Syrien-Rückkehrern und generelle Abwehr von muslimischer Einwanderung. SVP-Haudegen Walter Wobmann fordert gar einen generellen Asyl-Stopp für Muslime. Indirekt macht die SVP somit die Muslime insgesamt für die Bedrohung verantwortlich. Damit schafft die SVP das gesellschaftliche Klima für noch mehr Ausgrenzung und noch weniger Akzeptanz muslimischer Menschen in der Schweiz. Kurz, in den Worten Toni Brunners: Sie disqualifiziert sich selber.

Es ist zu vermuten, dass genau dies auch im Interesse der islamistischen Attentäter ist: Einen Keil zu treiben zwischen der muslimischen und nicht-muslimischen Bevölkerung, eine Zuspitzung auf einen Kulturkonflikt, eine Entfremdung junger Muslime vom westlichen, liberalen Gesellschaftsentwurf, so dass sie empfänglich werden für fundamentalistische Ideen.

Nötig ist das Gegenteil: Wir müssen die jungen Muslime auf unsere Seite ziehen, die Seite des liberalen Rechtsstaates, der Aufklärung, der Toleranz, der Humanität und der Menschenrechte. Dafür müssen wir sie in die Gesellschaft integrieren, ohne Schikanen einbürgern, und sie aus den Hinterhofmoscheen holen. Vor allem aber müssen wir uns in der Aussenpolitik konsequent auf die Seite von jenen Menschen stellen, die am meisten unter islamistischer Gewalt leiden, und das sind mehrheitlich Muslime. Wir müssen sie so gut wie möglich unterstützen. Die Exporte von Kriegsmaterial und Überwachungstechnik an nichtdemokratische Länder sind zu stoppen. Die Zusammenarbeit mit Diktatoren ist einzustellen. Die Situation in Flüchtlingslagern müssen wir stark verbessern und Kontingente an Flüchtlingen müssen aufgenommen werden. Nach Möglichkeit sind Demokratisierungsprozesse in diesen Ländern zu unterstützen. Und die Schweiz soll in Sachen Menschen- und Bürgerrechte als leuchtendes Beispiel voran gehen und zeigen, wie mit stark ausgebauten Grundrechten wie Informationsfreiheit, Religionsfreiheit und Privatsphäre eine funktionierende, freie, selbstbewusste und sichere Gesellschaft geschaffen werden kann – statt dass dauernd an den Grundlagen unseres Staates gesägt wird. Das wäre die richtige Antwort auf die Ereignisse.

24. Dezember 2014
von David Herzog
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«Was heisst schon nationalkonservativ?» – Das!

Markus Somm, amtierender BaslerZeitungs- und verhinderter NZZ-Chefredaktor, verwedelt in einem seiner Essays die politischen Differenzen zwischen Freisinn und SVP zu einer Frage pro oder contra EU-Beitritt, wobei ein echter Freisinniger natürlich gegen einen EU-Beitritt sein müsse und daher auf der Seite der «Bürgerlichen» kämpfen müsse gegen die «eher linke Regierung» (was bedeutet, dass die dortigen CVP- und FDP-Vertreter eher links sein sollen) und den angeblich nach links abgedrifteten Teilen des «zerfallenen bürgerlichen Lagers». Der Begriff «nationalkonservativ» sei ein Irrtum. An die Adresse der Freisinnigen sagt er:

Sie durchschauen nicht, was hier gespielt wird. Längst haben die linken Gegner nämlich gemerkt, wie man FDP und SVP auseinandertreibt: Indem sie fortwährend von den wenigen Differenzen reden und die vielen Gemeinsamkeiten unterschlagen. Warum nehmen die Bürgerlichen das Heft nicht selber in die Hand – und reden stattdessen ein Jahr lang nur mehr von ihren Gemeinsamkeiten?

Es ist wohl eher Somms Irrtum, dass er glaubt, die Freisinnigen durchschauten das Spiel nicht, das er da spielt. Denn die kleingeredeten Differenzen zwischen freisinniger und nationalkonservativer Gesinnung treten auch in diesem Text offen zu Tage. Man muss kein Freisinniger sein, um dies festzustellen. Nationalkonservativ ist,

  • wer aus einzelnen Aspekten der nationalen Geschichte Handlungsanleitungen für die Zukunft ableitet.
  • wer alles in nationalen Grenzen denkt, und so z.B. eine nationale Hauptstadt als «eigene Hauptstadt» bezeichnet im Gegensatz zu einer europäischen Hauptstadt.
  • wer Grundrechte und Rechtsstaat so geringschätzt, dass er deren Ausdünnung und Demontage keine Beachtung schenkt, oder sogar dabei mithilft (Stichworte: Minarettinitiative, Ausschaffungsinitiative, Verwahrungsinitiative).
  • wer die Abwägung von Vor- und Nachteilen eines institutionellen Abkommens mit der EU zu verhindern versucht.
  • wer nicht merkt, wenn die Nationalbezogenheit auch die wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit bedroht.
  • wer den Wandel der Gesellschaft und ihren Ansichten verkennt und meint, die Mehrheitsmeinung sei statisch.

Wer so denkt, findet sich in folgender Grafik (via) bald in der rechten unteren Ecke. Damit ist er meilenweit von freisinnigem Denken des 21. Jahrhunderts entfernt und muss sich nicht wundern, allein zu sein.

Foto-2

28. August 2014
von David Herzog
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Ça suffit, maintenant! (Ceci est une rant!)

Jetzt ist aber mal genug! Hört auf, uns vorschreiben zu wollen, in welcher Sprache wir über den Röstigraben hinweg uns verständigen! Ob wir das in Französisch, Hochdeutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Arabisch oder Albanisch tun, kann euch doch scheissegal sein! Tut nicht so, als zerbreche die Schweiz nach belgischer Manier, nur weil wir Englisch bevorzugen!

Zusammenhalt der Schweiz! Eure Sorgen möchte ich haben! Die Welt kann auseinander fallen, Europa kann auseinander fallen, aber eure Sorge gilt allein der Schweiz. Kein Wunder, lässt eure Politik die massenarbeitslosen Jugendlichen in Griechenland und Spanien im Stich! Die grossen Bruchlinien in unserer Gesellschaft gehen euch anscheinend am Arsch vorbei, die Welt kann untergehen, Hauptsache der eidgenössische Bund hält auf ewig! Bei diesem Horizont kann euch das Englische natürlich egal sein. Uns ist es aber nicht egal! Wir wollen auch die Portugiesen und die Tschechen verstehen! Zusammenhalt über die Landesgrenzen hinaus, das ist, was in Zukunft zählt! Ausserdem: Bis vor 20 Jahren gab es auch noch kein Frühfranzösisch. Wusste gar nicht, dass damals belgische Verhältnisse herrschten! Vielleicht sollte euch zu denken geben, dass der belgischstämmige Romand im Nationalrat ob eurer Panik den Kopf schüttelt!

Hört auf, verdammt nochmal, den Anschein zu erwecken, es gehe euch um das Wohl der Kinder!  Wenn ihr die Schule doch nur weiter verpolitisieren wollt. Wenn ihr eurer Bedürfnis nach Wertschätzung-Zeigen einfach an den Kindern auslassen wollt. Wenn ihr ohne Rücksicht auf Verluste an Dingen festhält, die sich nicht bewährt haben. Dann seid doch wenigstens ehrlich!

Sprachen am Arbeitsplatz und zuhause 2010, Kanton Zürich

Gaukelt uns nicht vor, in der Arbeitswelt wäre Französisch ähnlich wichtig wie Englisch. Werft doch einfach zuerst einmal ein Blick auf die Statistik! Sie spricht eine eindeutige Sprache – nämlich Englisch! Gebt nicht uns die Schuld daran! Findet euch einfach damit ab, oder geht sterben!

Hört auf eure Augen davor zu verschliessen, was das für ein immenser Aufwand ist, allen Primarlehrpersonen so gut französisch beizubringen, dass sie einen tollen Französischunterricht gestalten können. Und wie viel das kostet! Und wie wenig das bringt, zwei Lektionen pro Woche! Ergibt verteilt auf zwei Jahre nämlich gerade mal 120 Stunden Französischunterricht. Wenn’s gut kommt, kann man in dieser Zeit die Freude an der Sprache vermitteln, c’est tout! Seht ein, dass es effizienter ist, weniger Sprachen auf einmal und diese dafür in höherer Intensivität zu lernen! Und wenn’s ums Freude vermitteln geht, wieso mit diesem Kostenaufwand nicht die Freude an Programmiersprachen vermitteln? Könnte eventuell in Zukunft sehr gut zu gebrauchen sein, nur so als kitzekleiner Hinweis! Digitales Zeitalter und so!

Hört auf, euren stieren Grind durchzusetzen gegen 11-jährige Migrantenkinder, die mit dem Erlernen von drei Fremdsprachen gleichzeitig vielleicht doch ein bisschen überfordert sind! Vielleicht strengt ihr euch selbst mal ein bisschen an und überlegt, ob das in Schulklassen mit 100 % fremdsprachigen Kindern vielleicht mehr als Einzelfälle sind! Die Probleme der Kinder einfach als Heuchelei und Feigheit wegzureden, ist sowas von daneben!

Kommt mir nicht mit «nationaler Identität»! Wir wollen eure nationale Identität nicht! Habt ihr noch nicht realisiert, dass wir hier in einem globalen Dorf leben? Lasst uns gefälligst unsere eigene Identität entwickeln, eine die mit der Realität was zu tun hat! Ihr dürft eure gerne behalten, wir nehmen sie euch nicht weg! Meinetwegen könnt ihr euch eure «viersprachige» Schweiz in eurem Kopf konservieren, wenn ihr so an ihr hängt. Aber belästigt uns nicht mit eurem Heimatschutz!

Schminkt euch die These ab, die paar Lektionen Frühfranzösisch würden das Verständnis für die Denkweise und den kulturellen Hintergrund des anderen Landesteils verbessern! Glaubt ihr ja selber nicht! Was für eine oberflächliche Kultur müsste das sein, die man mit ein paar Trockenübungen im Schulzimmer verstehen lernt! Eine Priorisierung des Englischen ist keine «Abschottung» – sondern ganz im Gegenteil: ein Türöffner!

Voilà, ich habe fertig.

Nur noch ein kleiner Wunsch an euch, liebes SRF RTS RSI: Hört auf mit eurem Voice-over bei französischen, englischen und deutschen Interviews. Tut was für die Sprachbildung. Das niederländische Fernsehen kann das auch (und ihr bei “The Voice” ja auch): Untertitel genügen. Kultur verstehen und so, vous comprenez, ist doch eurer Leistungsauftrag. Und bitte auch deutsche Untertitel bei schweizerdeutschen Beiträgen. Mir si nid all vo da.